Sonntag, Februar 21, 2016

Allein zu sein ist eine Kunst.

Jemand fragte einen Zen-Meister: Was ist das größte Wunder in der Welt? 
Der Meister erwiderte: Ich sitze hier allein mit mir.
Das ist eine einfache Feststellung. Das ist das größte Wunder. Allein zu sein ist die größte Errungenschaft. Ich fühle immer ein Bedürfnis nach dem anderen. Dieses Bedürfnis nach dem anderen ist vorhanden, weil in mir etwas  fehlt. Ich habe Löcher in meinem Sein und diese energetischen Löcher stopfe ich mit der Anwesenheit des anderen. Der andere macht mich irgendwie komplett, ansonsten bin ich unvollständig.
Ohne den anderen weiß ich nicht, wer ich bin, ich verliere meine Identität. Der andere wird zum Spiegel und ich kann mein Gesicht in ihm sehen. Ohne den anderen fühle ich mich plötzlich auf mich selbst zurückgeworfen. Das verursacht mir Unbehagen und Unwohlsein, denn ich weiß nicht, wer ich bin. Wenn ich allein bin, befinde ich mich in eigenartiger Gesellschaft, die mir peinlich ist. Ich weiß nicht, mit wem ich da zusammen bin.
Mit dem anderen sind die Verhältnisse klar und definiert. Ich kenne den Namen, ich kenne die Form, ich kenne den Mann oder die Frau, ich kenne seine Religion und Nationalität, lauter Möglichkeiten, den anderen zu definieren. Aber wie definiere ich mich selbst?
In mir tut sich ein Abgrund auf, der nicht zu definieren ist. Diese Abgrund ist Leere. Ich beginne mich darin aufzulösen. Das macht mir Angst. Fast schon panisch möchte ich zum anderen eilen. Der andere hilft mir, wieder nach außen zu kommen und dort zu bleiben. Wenn niemand da ist, dann bleibe ich zurück zusammen mit meiner inneren Leere.


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